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Sachsen-Anhalt: Unsicherheit über Sven Schulzes Ministerpräsidentenwahl nach Haseloffs Rücktritt

Am 6. September 2026 findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Bild: KI

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In Magdeburg richtet sich am Mittwoch, dem 28. Januar 2026, der Blick auf eine Personalentscheidung, die weit über die Landespolitik hinaus ausstrahlt. Reiner Haseloff (CDU) ist mit Ablauf des 27. Januar 2026 als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zurückgetreten. Damit führt die Landesregierung ihre Geschäfte nur noch kommissarisch, bis der Landtag einen Nachfolger wählt und eine neue Regierung vereidigt ist. Als Favorit gilt Wirtschaftsminister und CDU-Landeschef Sven Schulze. Doch ausgerechnet die formale Kür kann zum politischen Stresstest werden: Die Koalition aus CDU, SPD und FDP setzt auf eine Wahl im ersten Anlauf, während das Verfahren geheim ist und die Mehrheitsverhältnisse zwar rechnerisch, aber nicht automatisch politisch stabil sind.

Haseloffs Rücktritt: Verfassungsrechtlicher Schnitt, politisch eng getaktet

Mit Haseloffs Rücktritt endet nach Artikel 71 der Landesverfassung nicht nur sein Amt, sondern zugleich auch das der Ministerinnen und Minister. Die Regierung bleibt geschäftsführend im Amt, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt und vereidigt ist. Die Übergangsphase soll nach dem Plan der Koalition nur wenige Stunden dauern, weil der Landtag bereits am 28. Januar zur Wahl zusammenkommt. Der Zeitpunkt ist dabei kein Zufall: Haseloff will seinem Nachfolger ermöglichen, als amtierender Regierungschef in die Landtagswahl am 6. September 2026 zu gehen.

Der Kandidat Sven Schulze: Aufstieg über Partei, Parlament und Ministerium

Sven Schulze, 46 Jahre alt, steht seit 2021 an der Spitze der CDU Sachsen-Anhalt und ist seit der Landtagswahl im selben Jahr Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. In der Landes-CDU gilt er als Organisator und Netzwerker; nach 2021 formte er die schwarz-rot-gelbe Koalition aus CDU, SPD und FDP. Zuvor war Schulze mehrere Jahre Mitglied des Europäischen Parlaments. Diese Mischung aus Landes- und Europapolitik prägt sein Profil: wirtschafts- und strukturpolitisch orientiert, zugleich mit Blick auf die bundespolitische Bühne.

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Warum die Wahl zum „Wahlkrimi“ werden kann

Formal ist die Ausgangslage klar: Die Koalition verfügt über eine Mehrheit, und für die Wahl im Landtag ist eine absolute Mehrheit erforderlich. Politisch bleibt jedoch eine Unsicherheit, weil die Abstimmung geheim erfolgt. Gerade bei Personalfragen kann dies zu Abweichungen führen, ohne dass sich Verantwortliche sofort zu erkennen geben. Entsprechend betonen führende Köpfe der Koalition öffentlich ihre Geschlossenheit. CDU, SPD und FDP werben für ein klares Ergebnis im ersten Wahlgang, auch um den Eindruck von Instabilität zu vermeiden.

Koalitionsdisziplin unter Druck: Geheimwahl als Risikofaktor

Der Druck zur Geschlossenheit ist hoch, weil ein Scheitern im ersten Wahlgang sofort als Signal innerer Konflikte gelesen würde. In einer Phase, in der Sachsen-Anhalt ohnehin politisch stark polarisiert ist, wäre eine Hängepartie ein willkommenes Narrativ für die Opposition. Zugleich gilt: Je stärker die Koalitionsspitzen den ersten Wahlgang zur Nagelprobe erklären, desto größer wird die Fallhöhe, falls einzelne Abgeordnete abweichen.

Der strategische Hintergrund: Landtagswahl am 6. September 2026

Die Personalrochade ist auch Wahlkampf-Vorbereitung. Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt derzeit deutlich vorn, während die CDU unter Druck steht. Ein neuer Ministerpräsident soll der CDU einen Amtsbonus verschaffen und die Koalition handlungsfähig erscheinen lassen. Für Schulze bedeutet das: Er muss nicht nur gewählt werden, sondern schnell Autorität ausstrahlen, Regierungserfahrung bündeln und gleichzeitig eine Erzählung für die kommende Wahl entwickeln.

Was bei einem Erfolg im ersten Wahlgang folgen würde

Gelingt die Wahl im ersten Durchgang, dürfte Schulze zügig die Fortsetzung der bisherigen Koalition anstreben. Erwartet wird Kontinuität: keine sofortige Neugründung des Bündnisses, sondern eine geordnete Übergabe, die Stabilität betont. Politisch wäre das ein Signal an Wirtschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit, dass Sachsen-Anhalt ohne Bruch in den Endspurt der Legislaturperiode geht. Gleichzeitig würde Schulze dadurch Zeit gewinnen, um sich als Regierungschef zu profilieren, statt zunächst interne Koalitionsrisse kitten zu müssen.

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Fazit

Der Rücktritt Reiner Haseloffs zum 27. Januar 2026 hat Sachsen-Anhalt in ein eng getaktetes Machtvakuum geführt, das am 28. Januar möglichst rasch geschlossen werden soll. Sven Schulze steht bereit, doch die geheime Wahl macht aus einer rechnerischen Mehrheit eine politische Bewährungsprobe. Ein Erfolg im ersten Wahlgang würde Geschlossenheit demonstrieren und Schulze Rückenwind für die Landtagswahl am 6. September 2026 geben. Ein holpriger Start hingegen würde die Erzählung von Instabilität nähren – und damit genau jene Dynamik verstärken, die die Koalition vor dem Wahljahr eigentlich vermeiden will.

Quellen

https://www.zeit.de/news/2026-01/28/haseloff-zurueckgetreten-regierung-geschaeftsfuehrend-im-amt

https://www.zeit.de/news/2026-01/28/magdeburger-koalition-will-schulze-wahl-im-ersten-wahlgang

https://www.welt.de/regionales/sachsen-anhalt/article69794412707d4aa207583cb2/haseloff-zurueckgetreten-regierung-geschaeftsfuehrend-im-amt.html

https://www.welt.de/article69797dba707d4aa207583dbf

https://www.mz.de/panorama/haseloff-zuruckgetreten-regierung-geschaftsfuhrend-im-amt-4188966

https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/wahl-landtag-sachsen-anhalt-schulze-haseloff-ministerprasidenten-4188832

https://www.bild.de/politik/inland/sachsen-anhalts-wahlkrimi-wird-sven-schulze-ministerpraesident-69789f52421b9660fac2427e

Verfasst von Redaktion